3D Druck & Materialien

PEBAX Filament: Das seltenste Hochleistungs-Elastomer im 3D Druck

SwissInjection Team 4 Min. Lesezeit

PEBAX Filament für den 3D Druck: Einzigartiger Energierückgewinn, medizinische Anwendungen, Sportschuhe. SwissInjection produziert PEBAX 40A und 60A ab Juli 2026.

Wer ernsthaft mit elastomeren Materialien im 3D Druck arbeitet, kennt TPU. Wer noch anspruchsvoller denkt, kommt irgendwann auf PEBAX. Dieser Artikel erklärt, was PEBAX von TPU unterscheidet, wo es eingesetzt wird und warum es weltweit kaum als Filament verfügbar ist — und was das für unsere Kunden bedeutet.

Was ist PEBAX?

PEBAX (Polyether-Block-Amid) ist ein thermoplastisches Elastomer auf Basis von Polyamid-Hardsegmenten und Polyether-Softsegmenten. Der Markenname PEBAX ist ein eingetragenes Warenzeichen von Arkema (Frankreich) — vergleichbar wie Teflon für PTFE oder Delrin für POM.

Das Material gehört zur Familie der TPE-A (Thermoplastische Elastomere auf Amid-Basis). Es kombiniert die Verarbeitbarkeit eines Thermoplasten (spritzgiessbar, extrudierbar) mit den Eigenschaften eines Vulkanisats — aber ohne Vernetzung.

PEBAX vs. TPU: Was ist der Unterschied?

Eigenschaft PEBAX TPU (Shore 60–95A)
Energierückgewinn Sehr hoch (60–80%) Moderat (30–50%)
Dichte Sehr niedrig (1.01–1.14 g/cm³) Höher (1.18–1.25 g/cm³)
Kälteverhalten Sehr gut (bis -40°C) Variable
Feuchtigkeitsaufnahme Gering Sehr gering
Verarbeitbarkeit Anspruchsvoll Einfacher
Preis Sehr hoch Moderat

Der entscheidende Unterschied: Energierückgewinn (Resilience). PEBAX gibt Verformungsenergie in einem Masse zurück, das TPU nicht erreicht. Das ist der Grund, warum praktisch jede relevante Hochleistungs-Laufsohle seit Jahren aus PEBAX besteht.

Shore-Härte: PEBAX 40A vs. 60A

Wir produzieren zwei PEBAX-Grades:

PEBAX 40A (SI-PEBAX40A-175-1KG, CHF 135.–/kg)

  • Extrem weiches Material, ähnlich weich wie weiches Silikon
  • Maximaler Energierückgewinn
  • Ideal für Mittelsohlen, Dämpfungselemente, Katheter
  • Erfordert sehr langsames Drucken, Direktextruder zwingend

PEBAX 60A (SI-PEBAX60A-175-1KG, CHF 128.–/kg)

  • Etwas fester, ähnlich wie weiches TPU
  • Leichter zu verarbeiten
  • Gut für Schuhkomponenten, Protektoren, medizinische Schläuche
  • Noch mit Direktextruder, aber weniger kritisch

Warum PEBAX weltweit kaum als Filament verfügbar ist

Die Herstellung von PEBAX-Filament ist deutlich schwieriger als bei TPU oder anderen Filamenten:

  • Granulat-Beschaffung: PEBAX-Granulat wird von Arkema produziert und ist in kleinen Mengen schwer zu beschaffen. Die Mindestmengen sind für Filament-Produzenten oft zu hoch.
  • Extrusionsanforderungen: Das Fliessverhalten von PEBAX unterscheidet sich stark von TPU. Die Schneckengeometrie, Temperaturprofile und Abzugsgeschwindigkeiten müssen genau auf das Material abgestimmt sein.
  • Trocknungsempfindlichkeit: PEBAX nimmt Feuchtigkeit auf — nicht viel, aber genug, um beim Extrudieren Probleme zu verursachen. Zwischen Granulat-Trocknung und Filament-Verpackung muss der Prozess lückenlos trocken bleiben.
  • Wickelproblem: Sehr weiches PEBAX (40A) klebt leicht auf sich selbst. Spezielle Spulen und exaktes Wickel-Profil sind notwendig.

Wir haben diese Herausforderungen im Rahmen der Entwicklung unserer Filament-Eigenproduktion gelöst. Der Creality M1 Extruder mit unseren modifizierten Prozessparametern liefert stabile Ergebnisse.

Medizinische Anwendungen von PEBAX

PEBAX ist in der Medizintechnik seit Jahrzehnten etabliert:

Katheter und Schläuche PEBAX dominiert den Kathetermarkt. Die Kombination aus Flexibilität, niedrigem Reibungskoeffizient und Biokompatibilität macht es zum bevorzugten Material für Herzkatheter, Führungsdrähte und Ballonkatheter. Das Material lässt sich durch Wärme verformen, was bei interventionellen Eingriffen genutzt wird.

Implantierbare Komponenten Bestimmte PEBAX-Grades (insbesondere PEBAX MV 1074 und ähnliche) sind für den direkten Gewebekontakt zugelassen. Orthetik und Prothetik nutzen die federnden Eigenschaften für Energierückgewinn-Komponenten.

Medizinische Einwegprodukte Infusionsbeutel, flexible Verpackungen für sterile Produkte und Schlauchverbindungselemente in der Dialyse.

Mit unserem PEBAX-Filament können jetzt Prototypen dieser Bauteile direkt aus dem Produktionsmaterial hergestellt werden — ohne den Umweg über Spritzguss-Werkzeuge in der Entwicklungsphase.

Sportanwendungen: Die Laufsohlen-Revolution

Die Einführung von PEBAX in Hochleistungs-Laufschuhen hat die Sportartikelbranche in den letzten zehn Jahren revolutioniert. Schäume aus PEBAX (besonders PEBA-Schaum) speichern und geben Energie mit einer Effizienz zurück, die vorher nicht erreichbar war.

Für Schuhhersteller und Sportartikel-Entwickler bedeutet unser PEBAX-Filament: Mittelsohlen-Geometrien lassen sich direkt im Originalm material prototypisieren. Der Schritt vom 3D-Druck-Prototyp zum Serienspritzguss wird kürzer und sicherer.

Druckparameter und Empfehlungen

PEBAX erfordert einen Direktextruder (kein Bowden-System). Das Material ist zu weich für den Bowden-Schlauch-Druck.

PEBAX 40A:

  • Drucktemperatur: 200–225°C
  • Betttemperatur: 30–45°C
  • Druckgeschwindigkeit: 15–25 mm/s (sehr langsam!)
  • Bettbeschichtung: PEI oder Texturplatte
  • Rückzug: Minimal oder deaktiviert
  • Trocknung: 70°C für 8 Stunden

PEBAX 60A:

  • Drucktemperatur: 210–235°C
  • Bettgeschwindigkeit: 20–35 mm/s
  • Ansonsten ähnlich 40A

Geeignete Drucker: technische FDM-Systeme geschlossenes FDM-System (mit Direktextruder-Mod), Prusa MK4, jeder Drucker mit Direktextruder und Temperaturen bis 240°C.

Wichtig: PEBAX haftet kaum auf glatten Druckbetten. PEI-Bettbeschichtung ist praktisch Pflicht.

Verfügbarkeit bei SwissInjection

PEBAX 40A und 60A sind Teil unseres Filament-Eigenproduktionsprogramms. Beide sind ab Juli 2026 verfügbar — als [Vorbestellung im Shop](/filamente) erhältlich.

Haben Sie eine spezifische Anwendung für PEBAX? Wir beraten Sie zur Materialauswahl und zu Druckparametern. [Kontaktieren Sie uns.](/kontakt)

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