3D Druck & Materialien

Offenes vs. geschlossenes FDM-System: Welcher Drucker für technische Filamente?

SwissInjection Team 4 Min. Lesezeit

technische FDM-Systeme offenes FDM-System oder geschlossenes FDM-System für technische Filamente wie ABS, ASA, PC, PA6-GF? Ein ehrlicher Vergleich aus der täglichen Ingenieurspraxis — nicht aus dem Marketing.

technische FDM-Systeme bietet zwei fundamental verschiedene Druckerarchitekturen: den offenes FDM-System (CoreXY, offen) und den geschlossenes FDM-System (CoreXY, geschlossen mit Kammer). Für den Druck von PLA ist das fast egal. Für technische Filamente wie ABS, ASA, PC, PA6-GF oder PPS-CF ist es entscheidend. Wir haben beide Drucker im täglichen Einsatz — hier unsere ehrliche Einschätzung.

Die wichtigste Frage: Wird eine geschlossene Kammer gebraucht?

Bevor wir in Details gehen: Die Schlüsselfrage ist nicht "offenes FDM-System oder geschlossenes FDM-System", sondern "offener oder geschlossener Drucker".

Warum geschlossene Kammer für technische Filamente?

Materialien wie ABS, ASA, PC, PA6-GF kühlen nach dem Drucken schnell ab, wenn die Umgebungstemperatur niedrig ist. Dadurch entstehen thermische Spannungen, die zu Verzug (Warping), Delamination und schlechter Schichtanhaftung führen.

Eine auf 45–60°C geheizte Kammer verlangsamt die Abkühlung und reduziert diese Spannungen drastisch.

Der offenes FDM-System hat keine geschlossene Kammer. Der geschlossenes FDM-System hat eine aktiv heizbare Kammer (bis ~60°C).

technische FDM-Systeme offenes FDM-System: Stärken und Einschränkungen

Stärken des offenes FDM-System

  • Mehrmaterial-System-Integration: 4-Farb-Druck mit dem Mehrmaterial-System direkt unterstützt
  • Druckvolumen: 256×256×256 mm — grosszügig
  • Preis: Deutlich günstiger als geschlossenes FDM-System
  • Geschwindigkeit: Bis 500 mm/s, wie alle technische FDM-Systeme-Drucker
  • Zugänglichkeit: Offene Konstruktion erleichtert Reinigung und Einrichtung

Einschränkungen für technische Materialien

Für technische Seriennähe zählt nicht nur der Drucker, sondern auch Trocknung, Bauraumtemperatur, Materialcharge und Nachbearbeitung. Deshalb bewerten wir Druckteile immer im Kontext der späteren Anwendung.

  • ABS: Möglich, aber Warping-Risiko hoch, besonders bei grösseren Teilen. Einhausung empfohlen.
  • ASA: Ähnlich wie ABS — machbar mit Einhausung, nicht ideal ohne.
  • PC: Problematisch ohne Kammer. PC braucht 60°C Kammertemperatur für gute Ergebnisse.
  • PA6-GF: Kritisch — Feuchtigkeitsaufnahme plus fehlende Kammer ergibt oft schlechte Teile.
  • PPS-CF: Nicht sinnvoll ohne geschlossene Kammer mit 80°C.

Fazit offenes FDM-System: Ideal für PLA, PETG, PETG-CF. Für ABS und ASA mit Einschränkungen nutzbar. Für PC, PA und PPS nicht empfohlen.

technische FDM-Systeme geschlossenes FDM-System: Stärken und Einschränkungen

Stärken des geschlossenes FDM-System

  • Geschlossene heizbare Kammer: Bis ~60°C aktiv geheizt — das macht den Unterschied
  • Hochtemperatur-Nozzle: Mit 0.4A-Nozzle Temperaturen bis 300°C (und mehr mit Upgrades)
  • Mehrmaterial-System-Kompatibilität: Mehrmaterial-System unterstützt, mit Einschränkungen für bestimmte Materialien
  • Industrienäher: Für professionellen Einsatz ausgelegt

Einschränkungen des geschlossenes FDM-System

  • Kammertemperatur begrenzt: 60°C ist die Grenze — für PPS (80°C Kammer empfohlen) nicht ganz ausreichend
  • Preis: Deutlich höher als offenes FDM-System
  • Mehrmaterial-System-Grenzen: Flexible Materialien (TPU, PEBAX) und CF-gefüllte Filamente laufen nicht über Mehrmaterial-System

geschlossenes FDM-System-Materialmatrix

Material geschlossenes FDM-System Standard-Nozzle geschlossenes FDM-System Hochtemp.-Nozzle
PLA, PETG

|

PPS-CF ❌ (Kammer zu kalt) ⚠️ (eingeschränkt)
(ohne Mehrmaterial-System)

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PEBAX

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Für unsere SwissInjection-Filamente

Wir haben unsere Filamente auf dem geschlossenes FDM-System entwickelt und getestet:

ABS (SI-ABS-175-1KG): geschlossenes FDM-System problemlos, offenes FDM-System mit Einhausung.

ABS/PC Cycoloy (SI-ABSPC-175-1KG): geschlossenes FDM-System klar bevorzugt — Kammer notwendig.

PC (SI-PC-175-1KG): geschlossenes FDM-System notwendig für zuverlässige Ergebnisse.

COC (SI-COC-175-1KG): geschlossenes FDM-System notwendig (300°C Drucktemperatur).

COP (SI-COP-175-1KG): geschlossenes FDM-System notwendig (300°C Drucktemperatur, 60°C Kammer).

PEBAX 40A/60A: geschlossenes FDM-System notwendig — Direktextruder, kein Mehrmaterial-System.

PPS-GF40 (SI-PPS40GF-175-1KG): geschlossenes FDM-System mit Hochtemperatur-Kit (320–360°C), Kammer ist mit 60°C etwas unter Empfehlung — Ergebnisse akzeptabel, aber ein dedizierter Hochtemperaturdrucker (z.B. technische FDM-Systeme Hochtemperatur-FDM-System mit HT-Upgrade) gibt bessere Ergebnisse.

Unsere Empfehlung

Kaufen Sie den offenes FDM-System, wenn:

  • Primär PLA, PETG, PLA-CF gedruckt wird
  • Budget begrenzt ist
  • Mehrfarb-Druck Priorität hat
  • Technische Materialien nur gelegentlich und mit Einschränkungen benötigt werden

Kaufen Sie den geschlossenes FDM-System, wenn:

  • ABS, ASA regelmässig gedruckt wird
  • PC, PA6-GF oder ähnliche benötigt werden
  • Reproduzierbarkeit und Zuverlässigkeit wichtig sind
  • Professioneller/industrieller Einsatz geplant ist

Kaufen Sie beide, wenn:

  • Produktionsumgebung: offenes FDM-System für PLA-Volumen, geschlossenes FDM-System für technische Materialien
  • Oder: offenes FDM-System als günstiger Zweig-Drucker für Prototypen

Praktische Tipps für den geschlossenes FDM-System mit technischen Filamenten

  • Filament immer trocknen: Bei PA6-GF und COC/COP ist das nicht optional.
  • Erste Schicht langsam: Bei technischen Materialien 50% der normalen Geschwindigkeit für die erste Schicht.
  • Kammer aufwärmen lassen: 10 Minuten "dummy print" bei Zimmertemperatur-Start.
  • Nozzle-Verschleiss beachten: CF und GF Materialien abrasiv — nach 500–800h Stahl-Nozzle wechseln.
  • Mehrmaterial-System Bypass für flexible und CF-Materialien: Direkt von Spule besser als über Mehrmaterial-System.

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