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Highlights der Fakuma 2025: Trends im Spritzguss und Werkzeugbau

SwissInjection Team 4 Min. Lesezeit

Die wichtigsten Trends der Fakuma 2025: Nachhaltigkeit, Industrie 4.0 und neue Materialien im Spritzguss. Unser Messebericht aus Friedrichshafen.

Die Fakuma 2025 in Friedrichshafen am Bodensee hat einmal mehr gezeigt, wohin sich die Kunststoffverarbeitung entwickelt. Wir fassen die wichtigsten Trends zusammen — aus der Perspektive von Schweizer Spritzguss-Spezialisten, die täglich mit diesen Themen arbeiten.

Fakuma 2025: Zahlen und Rahmen

Die Fakuma gehört zu den bedeutendsten Fachmessen für Kunststoffverarbeitung weltweit. Mit über 1.800 Ausstellern aus mehr als 35 Ländern und rund 47.000 Fachbesuchern ist sie ein verlässlicher Indikator für die Branche. Im Oktober 2025 öffnete die Messe erneut ihre Tore — und zeigte: Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten investiert die Branche.

Trend 1: Nachhaltigkeit als Hauptthema

Recycling und Kreislaufwirtschaft dominierten wie schon 2024 auch 2025 die Diskussionen. Besonders auffällig: Der Fokus hat sich verschoben — von der Frage "ob" auf die Frage "wie".

Konkret sichtbar waren:

  • Post-Consumer Rezyklate (PCR) in Spritzgussqualität: Mehrere Materialhersteller präsentierten PCR-Compounds, die tatsächlich die mechanischen Anforderungen technischer Anwendungen erfüllen.
  • Closed-Loop-Systeme: Anlagen, die direkt bei der Spritzgiessmaschine Anguss und Ausschuss rückführen.
  • Biobasierte Hochleistungspolymere: PLA-Derivate mit verbesserter Wärmebeständigkeit, PHBV für medizinische Anwendungen.

Für unsere Schweizer B2B-Kunden ist besonders interessant: Die gesetzlichen Anforderungen an Recyclatanteile werden auch in der Schweiz steigen. Wer jetzt Erfahrungen sammelt, ist vorbereitet.

Trend 2: Digitalisierung und Industrie 4.0 kommen an

Die Digitalisierung der Spritzgiessproduktion ist kein Zukunftsthema mehr — sie ist Gegenwart. Die Messe zeigte Lösungen, die tatsächlich in der Praxis funktionieren:

Prozessüberwachung in Echtzeit

Sensortechnologie direkt in der Kavität misst Druck und Temperatur während des Einspritzens. Die Daten werden in Echtzeit analysiert, und das System greift automatisch korrigierend ein. Das Ergebnis: deutlich reduzierter Ausschuss.

KI-gestützte Qualitätskontrolle

Kamerasysteme mit KI-Bildverarbeitung erkennen Oberflächenfehler direkt nach dem Entformen — schneller und zuverlässiger als manuell. Besonders für Teile mit hohen Qualitätsanforderungen (Medtech, Automotive) ein wichtiger Fortschritt.

Digital Twin für Werkzeuge

Mehrere Aussteller präsentierten digitale Zwillinge von Spritzgusswerkzeugen. Das erlaubt virtuelle Optimierung vor dem teuren Stahl-Werkzeug — Fehler werden früher gefunden.

Trend 3: Neue Hochleistungspolymere

Die Materialentwicklung hört nicht auf. Fakuma 2025 zeigte mehrere interessante Neuheiten:

  • PPS-Compounds mit biobasiertem Anteil: Hochleistung trifft Nachhaltigkeit — noch in der Entwicklung, aber vielversprechend.
  • Thermoplastische Elastomere für medizinische Anwendungen: Verbesserte biokompatible TPE-Grades mit erweitertem Zertifizierungsnachweis.
  • Faserverstärkte Thermoplaste für Additive Tooling: Materialien speziell für den Einsatz als Spritzgusswerkzeug durch additive Fertigung — direkt relevant für unsere Rapid-Tooling-Prozesse.

Trend 4: Additive Fertigung und Spritzguss — keine Konkurrenz, sondern Synergie

Eines der meistdiskutierten Themen: die Integration von additiver Fertigung in Spritzguss-Prozessketten. Die Botschaft auf der Fakuma war klar: Beide Verfahren ergänzen sich.

Werkzeuge aus additiver Fertigung für Kleinserien und Prototypen, Spritzguss für die Grossserie — diese Kombination wurde von mehreren Ausstellern als Best Practice präsentiert. Genau das ist unser Ansatz bei SwissInjection: [Additive Tooling Technologie für Prototypen](/prototypen), Beratung für den Übergang zur Serienproduktion.

Schweizer Perspektive

Für Schweizer Unternehmen besonders relevant: Die Messe bestätigte, dass Qualität und Spezialisierung der entscheidende Wettbewerbsvorteil bleiben. Günstige Massenproduktion wandert weiter in den fernen Osten — hochpräzise, zertifizierte, regulatorisch anspruchsvolle Teile bleiben in Europa und der Schweiz.

Unsere Einschätzung: Schweizer KMU sollten jetzt in die Digitalisierung ihrer Qualitätsprozesse investieren und in Nischenmaterialien, die die grossen Player nicht kosteneffizient produzieren können.

Fazit

Die Fakuma 2025 war ein wichtiges Signal: Die Branche ist lebendig, innovativ und anpassungsfähig. Nachhaltigkeit ist kein Marketing mehr, sondern technische Realität. Die Digitalisierung ist angekommen. Und additive Fertigung und Spritzguss wachsen zusammen.

Haben Sie Fragen zu den vorgestellten Trends oder möchten Sie besprechen, wie diese Entwicklungen Ihre Produktion betreffen? [Kontaktieren Sie uns.](/kontakt)

*Quelle: Fakuma International*

Bedeutung für Schweizer Kunststoffprojekte

Für Schweizer KMU sind die Messetrends vor allem dann relevant, wenn sie praktisch umsetzbar werden. Nachhaltige Materialien, Digitalisierung und Additive Tooling Technologie müssen zu Bauteilanforderungen, Kostenrahmen und Serienprozess passen. Nicht jede Innovation lohnt sich sofort, aber viele Trends zeigen, wo sich frühe Tests auszahlen.

Wir empfehlen, neue Materialien und Verfahren in kleinen, klar abgegrenzten Projekten zu prüfen: ein Bauteil, ein Ziel, ein messbares Ergebnis. So entsteht Fortschritt ohne unnötiges Risiko.

Konkreter nächster Schritt

Wer Messetrends nutzen möchte, sollte mit einem aktuellen Problem starten: Ausschuss, Lieferzeit, Materialkosten, Gewicht oder Werkzeugrisiko. Daraus lässt sich ein Testprojekt ableiten, das schnell zeigt, ob eine neue Technologie echten Nutzen bringt.

So werden Messeimpulse zu konkreten Verbesserungen statt zu einer langen Liste unverbindlicher Ideen.

Der Nutzen entsteht erst, wenn daraus technische Versuche mit klarer Bewertung werden.

So bleibt Innovation technisch beherrschbar und wirtschaftlich bewertbar.

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