Die Fakuma findet nur alle zwei Jahre statt — die letzte reale Ausgabe war die Fakuma 2024 in Friedrichshafen. Welche dort offiziell dokumentierten Branchenthemen für Schweizer Spritzgussbetriebe praktisch relevant sind.
Die Fakuma ist eine der bedeutendsten Fachmessen für Kunststoffverarbeitung weltweit — aber sie findet nur alle zwei Jahre statt, zuletzt vom 15. bis 19. Oktober 2024 in Friedrichshafen am Bodensee. Die nächste Ausgabe folgt erst im Oktober 2026. Dieser Beitrag ordnet ein, welche der auf der Fakuma 2024 offiziell dokumentierten Themen für Schweizer Spritzguss-Betriebe tatsächlich relevant sind — auf Basis der offiziellen Messe-Ergebnisse und der Ankündigungen der wichtigsten Maschinen- und Recyclinganbieter.
Fakuma 2024: Zahlen und Rahmen
Laut offiziellem Nachbericht des Veranstalters zeigten 1.639 Aussteller in zwölf nahezu vollständig belegten Hallen ihre Neuheiten. 778 Aussteller (47,5%) kamen aus dem Ausland — darunter 170 Unternehmen aus China, 142 aus Italien, 81 aus der Schweiz, 77 aus Österreich und 51 aus der Türkei. Die Schweiz stellte damit die drittgrösste Ausstellergruppe nach Deutschland und China. Die Messe zählte 36.675 Fachbesucher.
Kreislaufwirtschaft als zentrales Thema
Laut offizieller Nachberichterstattung stand die Kreislaufwirtschaft im Zentrum des Fachprogramms. Prof. Dr. Michael Braungart stellte den "Cradle-to-Cradle"-Ansatz vor, mit der Kernaussage, dass Materialien so gestaltet werden sollten, dass sie vollständig in geeignete Kreisläufe zurückfliessen können, statt am Ende ihrer Nutzung Abfall zu werden.
Für Schweizer B2B-Kunden ist das nicht nur ein Nachhaltigkeitsthema, sondern ein regulatorisches: Die Anforderungen an Rezyklatanteile in technischen Bauteilen nehmen europaweit zu, und wer früh mit PCR-Compounds (Post-Consumer-Rezyklat) in Spritzgussqualität experimentiert, sammelt Erfahrung, bevor die Anforderung verpflichtend wird. Wichtig dabei: Nicht jedes PCR-Compound erreicht ohne Anpassung die mechanischen Werte des Neumaterials — ein Testprojekt an einem klar abgegrenzten, unkritischen Bauteil ist der richtige erste Schritt, nicht der direkte Wechsel bei einem sicherheitsrelevanten Teil. Grundsätzliche Kriterien für eine solche Materialauswahl gelten auch hier.
Prozessstabilität und Effizienz statt Schlagworte
Laut dem offiziellen Nachbericht lag ein weiterer Schwerpunkt der ausstellenden Maschinen- und Peripherieanbieter auf der Steigerung von Effizienz, Prozessstabilität, Reproduzierbarkeit und der Minimierung von Rüstzeiten — nicht auf einzelnen spektakulären Neuheiten, sondern auf der schrittweisen Verbesserung bestehender Prozesse. Das deckt sich mit dem, was in der Praxis tatsächlich den Ausschuss senkt: nicht ein einzelnes neues Gerät, sondern ein sauber dokumentiertes, wiederholbares Prozessfenster über Werkzeugtemperatur, Nachdruck und Kühlung hinweg.
Digitalisierung: "Top oder Flop?"
Ein offizieller Programmpunkt der Messe war ein Fakuma Round Table zum Thema "Digitalisierung — Top oder Flop?". Die Diskussionsteilnehmer kamen laut Nachbericht zu dem Schluss, dass Digitalisierung kein optionales Zukunftsthema mehr ist, sondern ein notwendiges Werkzeug für Effektivität und Effizienz in der Produktion. Für Schweizer KMU heisst das konkret: Digitalisierung lohnt sich dort am meisten, wo sie ein bestehendes, klar definiertes Problem löst — etwa lückenhafte Prozessdokumentation oder schwankende Bauteilqualität über eine Serie hinweg — nicht als pauschale Investition ohne konkreten Anwendungsfall.
Fachkräfte: Ein unterschätztes Thema
Die Messe adressierte laut Nachbericht auch den Fachkräftemangel aktiv: Am "Career Friday" informierten sich über 400 junge Menschen über Karrieremöglichkeiten in der Kunststoffbranche. Für Schweizer Betriebe, die ebenfalls mit Fachkräftemangel im Werkzeugbau und in der Verfahrenstechnik zu kämpfen haben, ist das ein Hinweis darauf, dass Nachwuchsgewinnung branchenweit als strategisches Thema behandelt wird, nicht als Nebensache.
Schweizer Perspektive
Mit 81 Ausstellern war die Schweiz 2024 die drittgrösste internationale Ausstellergruppe auf der Fakuma — ein Indikator dafür, wie eng die Schweizer Kunststoffbranche mit dem süddeutschen Raum vernetzt ist. Für Schweizer Spritzgussbetriebe bestätigt das: Qualität, Spezialisierung und regulatorische Konformität bleiben die Wettbewerbsvorteile, mit denen sich gegenüber reiner Kostenkonkurrenz aus Fernost bestehen lässt — nicht durch das schnelle Übernehmen jedes Messetrends.
Praktische Konsequenz: Wie aus Messethemen echte Projekte werden
Messetrends erzeugen erst dann Nutzen, wenn sie an einem konkreten, aktuellen Problem angesetzt werden: hoher Ausschuss, lange Lieferzeiten, steigende Materialkosten, zu hohes Bauteilgewicht oder Unsicherheit beim nächsten Werkzeugbau. Aus einem dieser Punkte lässt sich ein klar abgegrenztes Testprojekt ableiten — ein Bauteil, ein Ziel, ein messbares Ergebnis — statt einer langen Liste unverbindlicher Ideen. Das gilt insbesondere für Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung: Beide Themen sind auf der Fakuma 2024 real und mit Substanz diskutiert worden, aber ihr Nutzen entsteht erst durch die technische Umsetzung im eigenen Betrieb.
Wann die nächste Fakuma stattfindet
Die 30. Fakuma findet vom 12. bis 16. Oktober 2026 wieder in Friedrichshafen statt. Bis dahin bleiben die 2024 dokumentierten Themen — Kreislaufwirtschaft, Prozessstabilität, Digitalisierung — der relevante Massstab für die Branche. Eine vergleichbare, faktenbasierte Einordnung einer anderen grossen Kunststoffmesse finden Sie in unserem Beitrag zur K 2025 in Düsseldorf.
Haben Sie Fragen, wie diese Themen Ihre Produktion konkret betreffen? Kontaktieren Sie uns.
Quellen
- Fakuma (offizieller Veranstalter): Fakuma 2024 got off to an excellent start — offizieller Nachbericht mit Aussteller-/Länderzahlen, Hallenauslastung und Themenschwerpunkten
- Fakuma (offizieller Veranstalter): Terminübersicht — bestätigt den zweijährigen Messeturnus und die Termine der 29. (2024) und 30. (2026) Fakuma
- ETMM Online: Fakuma 2024 — Leading International Trade Fair for Plastics Processing — unabhängige Fachpresse, bestätigt Besucherzahl und Themenschwerpunkte